№ 22

06.09. – 19.10.2019

PARADIESISCH

Angela Auer, Andreas Fink, Eric Kosuch

und Hans Schön

 

Das Paradies – ein Begriff, der bei jedem Einzelnen die unterschiedlichsten Vorstellungen angenehmster Art hervorruft. Es kann der Traum sein von einem Ort des immerwährenden und ungetrübten Friedens. Oder die Sehnsucht nach einer idyllischen Ideallandschaft, nach Arkadien, abgeschnitten von der gesellschaftlichen Welt. Oder auch die Trauer um den verlorenen Garten Eden, den ersten Garten der Menschheit, verbunden mit der gläubigen Hoffnung, am Ende eines gut geführten Lebens wieder an diese jenseitige Stätte zurückzukehren.

 

Geleitet von diesen seelischen Wunschbildern, dass Mensch und Natur in vollkommener Einheit und Harmonie leben, ist die stete Suche nach dem verlorenen Paradies. Die Direct Art Gallery hat es unternommen, „Paradiese auf Erden“ zu schaffen und stellt mit der Ausstellung No. 22 „PARADIESISCH“ vier Künstler und ihre persönlichen Sehnsuchtsorte und -vorstellungen vor.

 

Angela Auers vegetabile Phantasie- und Traumwelten sind von betörender Schönheit und unbändiger Leuchtkraft. Ein dichtes Dschungelgeflecht aus exotischen Gewächsen und Blumen erfüllt die Bildfläche über ihre Grenzen hinaus. Aus ihren Paradiesgärten, in denen auch Herz- und Eierformen auftauchen, spricht eine tiefe, religiös-andächtige Liebe zur Schöpfungsnatur und die Suche nach Harmonie und Einklang.

 

Die Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Andreas Fink greifen den Aspekt der Fauna und auch des Menschen auf. Akribisch gezeichnete abstrakte Formen, teils ornamental rhythmisiert, teils aus fein geschachtelten Elementen zusammengesetzt, fügen sich zu eigenartigen Lebewesen. In elegantem, synchronen Schwung lässt Fink eine Gruppe Delfine über das Papier springen, porträtiert in gewichtiger Pose Elefant, Nilpferd und Nashorn und konfrontiert den Betrachter mit einem menschlichen Paar, das auf die Urkonstellation Adam und Eva verweist.

 

Auch Eric Kosuchs skizzenhafte Graphitzeichnungen widmen sich der Tierwelt. Mit nur wenigen, spontan wirkenden Strichen schafft er Kreaturen – vorwiegend in Profilansicht – von hoher Ausdrucksdichte und mit fast menschlichen Charakterzügen. Das unruhige, vibrierende Lineament gibt nicht nur Aufschluss über die gestischen Bewegungen des Künstlers, sondern auch über die emotionalen Spuren eines tiefen Erlebens.

 

Hans Schöns detailfreudige und farbintensive Arbeiten schließlich verschränken die Natur mit der Tierwelt und beziehen auch die menschliche Zivilisation mit ein. Er zeichnet stets hochakkurat mit Feder und schwarzer Tusche, um anschließend fein zu kolorieren. In faszinierender Wimmelbild-Manier vernetzt der Künstler die gesamte Bildfläche und ordnet sie zu einem zweidimensionalen kleinteiligen Gewebe, das zur näheren Betrachtung einlädt. Erzählerisch, in lebendigen Bildgeschichten zeigt Schön seine durchweg positive Sicht auf die Welt, die als irdisches Paradies erscheint.

 

Durch den Sündenfall ging der Menschheit das Paradies verloren. Zurückgeblieben ist ein tief verwurzeltes Begehren, die unstillbare Sehnsucht, wieder zurückzukehren an diesen idealen Ort. Die Werke der hier vorgestellten Künstler erobern sich ihren persönlichen Garten Eden ein Stück zurück, jedes auf seine Weise.

 

 

 

DIRECT ART GALLERY

 

Die DIRECT ART GALLERY ist eine gemeinnützige Galerie zur Förderung von Künstlerinnen und Künstlern mit psychischem oder geistigem Handicap. Sie wird von der Aktion-Kunst-Stiftung betrieben und ist im Galerien- und Museenzentrum Düsseldorfs verortet. Neben Werken aus dem klassischen Outsider-Bereich präsentiert die DIRECT ART GALLERY junge, zeitgenössische Positionen.