№ 21

17.05. – 13.07.2019

SCHÖNE FRAUEN

Malerei von Christoph Stark

und Günther Tomschi

 

Mit der Ausstellung No. 21 stellt die DIRECT ART GALLERY die Werke zweier Künstler gegenüber, die sich mit den Ausdrucksformen weiblicher Schönheit auseinandersetzen. Sowohl Christoph Stark als auch Günther Tomschi widmen sich in ihrer Malerei dem „schönen Geschlecht“ und zeigen ihre jeweils persönliche und künstlerische Sicht auf die Frau.

 

Die Frau als Bildmotiv gehört seit Jahrtausenden zu den Klassikern in der abendländischen Kunstgeschichte. Ob als Göttin, Heilige oder Hure, züchtig zugeknöpft oder ganz und gar entblößt, als Tänzerin, Badende oder Lesende, in der Perspektive des männlichen Künstlers ist die Frau Objekt der Imagination und Inspiration, die Projektionsfläche der eigenen Phantasien und Begierden.

 

Christoph Stark, 1962 in Peine geboren, arbeitete seit 1986 bis zu seinem frühen Tod 2019 in der Kunstwerkstatt der Evangelischen Stiftung Neuerkerode. Seine Arbeiten zeigen Frauengestalten, die er nach Vorlagen aus Zeitschriften oder Katalogen schuf. Einhergehend mit seiner gemächlichen und bedächtigen Arbeitsweise, liegt den Bildern Starks eine lange Entstehungszeit zugrunde. Es sind Werke von hoher Kompositionskraft und fesselnder Farbsprache, sie bestechen durch eine kräftig leuchtende Farbigkeit, die durch das Zusammenspiel von wenigen ausdrucksstarken Tönen befeuert wird. Ausgeprägte Konturierungen grenzen die flächigen Körper sehr klar vom meist monochrom gehaltenen Hintergrund ab. Stark lässt seine Frauenfiguren statisch verharrende, oft unbequeme Haltungen einnehmen, einige von ihnen verrenken sich gar elegant-exzentrisch im Stil der Figurenkompositionen Egon Schieles. Sie präsentieren sich in aufreizenden Posen – sich in einem Drehstuhl aalend wie eine Burlesque-Tänzerin im Champagnerglas oder als langbeinige Badenixe auf einem Stein. Dennoch, auch trotz ihrer gestylten Aufmachung – ob nun als Bond- oder Revue-Girl, als sexy trauernde schwarze Witwe in verführerisch getupften Stay-Ups oder als selbstbewusste junge Frau mit Kurzhaarschnitt und Alltags-Outfit – bleiben sie von einer eher unterkühlten, aber deswegen nicht weniger geheimnisvollen Erotik. Denn unklar bleibt, aus welchen Geschichten und Kontexten sie herausgeschnitten und isoliert wurden. In einer eingefrorenen Momentaufnahme scheinen sie erstarrt innezuhalten. Doch die Irritation und Rätselhaftigkeit, die diese Frauen umgibt, öffnet den Raum für ganz eigene Phantasien.

 

Der 1979 in Langen geborene Künstler Günther Tomschi arbeitet seit 2005 in der Malwerkstatt Wilhelmsdorf. Seinen Zeichnungen liegt eine sensible und aufmerksam einfangende Beobachtungsgabe zugrunde. Die Anatomie des weiblichen Körpers studiert er anhand von Zeitungsausschnitten, die ihm als zeichnerische Vorlage dienen, von der er sich dann während des Malprozesses mehr und mehr löst, bevor er sie farbig aquarelliert. Seine Frauenbildnisse manifestieren sich in vorwiegend frontalen Porträts im Brustbildformat und in ganzfigurigen Akten. Tomschi blickt tief in das Seelenleben seiner weiblichen Figuren und zeigt in feinsten Facetten ihre Gemütslagen, lässt so an seinem eigenen emotionalem Erleben teilhaben. Während bei den Porträts eine eher melancholisch-versunkene oder puppenhaft-verträumte Gestimmtheit vorherrscht, geben sich die unbekleideten Frauen als herausfordernde Sexobjekte, die ihre Nacktheit selbstbewußt lasziv inszenieren.

 

Die Frauen Christoph Starks und Günther Tomschis umgibt eine besondere Aura von Sinnlichkeit, geheimnisumwittert oder offen-verletzlich, wie sie nur auf einer langen künstlerischen Suche nach Schönheit entstehen kann. Denn Schönheit scheint ein ewiges Bedürfnis der Menschheit zu sein.

 

 

DIRECT ART GALLERY

 

Die DIRECT ART GALLERY ist eine gemeinnützige Galerie zur Förderung von Künstlerinnen und Künstlern mit psychischem oder geistigem Handicap. Sie wird von der Aktion-Kunst-Stiftung betrieben und ist im Galerien- und Museenzentrum Düsseldorfs verortet. Neben Werken aus dem klassischen Outsider-Bereich präsentiert die DIRECT ART GALLERY junge, zeitgenössische Positionen.