№ 9

08.04. – 21.05.2016

FRUCHTHINWEIS

Robert Heijkoop

 

Mit der Ausstellung No 9 präsentiert die DIRECT ART GALLERY eine Einzelschau des Künstlers Robert Heijkoop.

 

Zwei paar Süßkirschen bedrohen die Häupter der fünf Damen, die sich im unteren Bildbereich wie an einer Perlenschnur voreinander aufreihen. Das suggeriert der Titel „Damokleskirschen“. In der Mythologie haben die Kirschen eine ähnliche Bedeutung wie der Apfel und stehen für Liebe und Sexualität. Kirschen wurden zu einem Symbol der verbotenen Frucht und der Sünde. Damokles ist der Protagonist einer Überlieferung Ciceros, der als Protegé des Tyrannen Dionysios in den Genuss kam, dessen Vorzüge als Herrscher auszukosten. Nur musste er dies unter einem dem Fall geweihten Schwert tun, das von einem einzigen Pferdehaar gehalten wurde und all die Gefahren versinnbildlichte, die mit der Macht des Tyrannen einhergingen. Das eigentliche Unheil stellen in Robert Heijkoops Werk nicht die prallen roten Kirschen dar, sondern deren Träger. Das dem Reißen nahende Haar wird ersetzt durch zwei monströse weibliche Gestalten, die sich wie Rachegeister Kopf an Kopf mit zusammengekniffenen Augen über die sich duckenden Damen legen. Allein die spitzen Hüte der Figurinnen verhindern körperlichen Kontakt.

 

Der Künstler Robert Heijkoop, belgisch-tschechischer Herkunft, kam zu Kriegsbeginn 1939 in Amsterdam auf die Welt. Das Kriegsende markierte den Anfang seiner Malerei. Mit sechs Jahren lernte er von einem Obstplantagengärtner in einem Waisenhaus Leim- und Bindefarben herzustellen. Dies war der Startschuss einer Obsession. Stationen in der Berliner Szene um den „Meister“ Friedrich Schröder-Sonnenstern, auf Ibiza, als Kreisverbandsboxer und Gipser, mit Gelegenheitsjobs jeglicher Art folgten. Das bewegte Leben des Künstlers kennt nur eine Kontinuität: Die Malerei.

 

In seinen zwischenmenschlichen Szenarien sucht Heijkoop, wie er sagt, eine „Relativierung von den Geschehnissen der Welt“. Seine Figuren wirken maskenhaft geschminkt und isoliert. Sie berühren sich und doch scheinen sie nicht berührt zu werden. Plakativ und flächig schweben sie auf der Leinwand, die der Autodidakt auf Spanplatten gespannt hat. Die voluminösen und doch zweidimensionalen, fast monochromen Körper kontrastieren mit den fein gezeichneten Gesichtern. Heijkoops Beschäftigung mit den Techniken Alter Meister, insbesondere der Frührenaissance, drückt sich in der Tonalität und Auffassung seiner Gesichter aus, die nicht selten auf Giottos Mandelaugen verweisen. Im Gegensatz zu den großen Narrativen, dem differenzierten ikonographischen Programm, dem Streben nach Plastizität und Perspektive dieser Künstler, schafft Heijkoop einen reduzierten Figurentypus mit schmolligen Lippen und Stirnnasen eines Horst Antes, der sich in komplexen Beziehungsgeflechten multipliziert. Das Augenmerk der Komposition liegt auf der ornamentalen Auffassung der Körper, die ungeachtet realer Größenverhältnisse und räumlicher Bezüge entsteht. Sowohl die starke Gestik der Figuren als auch die pastelligen Farben erinnern an Gebärdefiguren ottonischer Buchmalerei. Doch vergeblich sucht der Betrachter nach einer narrativen Bildlogik. Frei schwebende Figuren ohne Gliedmaßen mit Rückenflossen, einzelne Köpfe und Arme, Monde, die sich an ovale Körper schmiegen, hinterlassen den Eindruck einer surreal-mystischen Sphäre. Die Beziehungen erscheinen unverständlich, teils absurd und bedrohlich. Nicht selten bleibt in Heijkoops Werken eine Stimmung zurück, die Kafkas Kurzgeschichten so eigen ist. Der intellektuelle Grenzgänger sieht seine Kunst in einem engen Zusammenhang mit literarischen Gestalten. Heijkoop findet seine Figuren und zwischenmenschlichen Konstellationen sowohl bei Thomas Mann, Hans Henny Jahnn und Robert Musil als auch bei einfachen Menschen, die dem Künstler auf der Straße und in Kneipen begegnen.

 

 

DIRECT ART GALLERY

 

Die DIRECT ART GALLERY ist eine gemeinnützige Galerie zur Förderung von Künstlerinnen und Künstlern mit psychischem oder geistigem Handicap. Sie wird von der Aktion-Kunst-Stiftung betrieben und ist im Galerien- und Museenzentrum Düsseldorfs verortet. Neben Werken aus dem klassischen Outsider-Bereich präsentiert die DIRECT ART GALLERY junge, zeitgenössische Positionen.