№ 14

08.09. – 21.10.2017

WENN ICH STERBE, WERDE ICH FLORA

Menia

 

Die DIRECT ART GALLERY – OUTSIDER & MORE präsentiert in der Ausstellung No 14 neue Arbeiten der Künstlerin MENIA. Die Ausstellung wird am 8. September um 19 Uhr eröffnet. Zu diesem Anlass wird die erste Monografie der Künstlerin, die von der Aktion-Kunst-Stiftung herausgegeben wurde und im Kunstverlag X erschienen ist, vorgestellt.

 

So schön kann der Tod werden. In leuchtenden Farben blüht er auf der Wiese. Das Arrangement aus pinken Pfingstrosen, lila Krokussen und violettem Flieder könnte lebendiger kaum sein. Der Gedanke an niederländische Stillleben aus dem 17. Jahrhundert scheint bei dieser Pracht und Fülle der Blumen und ihrem kompositorischen Arrangement naheliegend. Auch die gleichzeitige Blüte dieser bestimmten Blumen, die in der Natur so nicht vorkommt, entspricht dem Willen der Stilllebenmalerei, nicht die reale Natur wiederzugeben, sondern in der prachtvollen Inszenierung von scheinbarer Natürlichkeit, auch die Vergänglichkeit des Schönen zu bedenken. Der Gedanke an die Vanitas bleibt bei MENIA kein interpretatorisches Moment. Der scheinbar unter der Erde schwebende, lila angelaufene Körper einer Frau bietet den Nährboden für die überirdische Blumenpracht. Haare und Wimpern werden zu dünnen Wurzeln der Pflanzen. Und spätestens hier bricht MENIAs Werk mit dem anfänglichen Gedanken an die Stilllebenmalerei oder nature morte. Das Werk „Wenn ich sterbe, werde ich Flora“ ist keineswegs ein totes Stück Natur, sondern zeigt einen höchst lebendigen Prozess vom Tod zu neuem Leben. Auch ist die Szene nicht in einem stark belichteten Innenraum inszeniert, in dem die Schnittblumen in Vasen und Töpfen aufgebaut sind. Im Gegenteil: die Blumen wachsen und gedeihen auf einer Wiese, unter der sich der Körper befindet und die Pflanzen durch Fäden wie durch Wurzeln zu nähren scheint. Dieser Prozess, der auch in dem Titel des Werkes „Wenn ich sterbe, werde ich Flora“ angedeutet wird, bedeutet einen weiteren Bruch mit dem zweiten möglichen und fast romantischen Interpretationsansatz, der den Tod als einen Übergang charakterisiert, denn: Die Dargestellte ist nicht tot. Mit geöffneten Lippen scheint sie selbst den Satz „Wenn ich sterbe, werde ich Flora“ zu sagen. Ihr Arm ist noch angespannt und ihre Faust geballt. Die pinken Lippen und geröteten Wangen zeugen von Lebendigkeit. Noch ist sie nicht tot. Lebendig begraben befindet sie sich im Prozess des Sterbens. Damit zeigt das Bild einen weiter gefassten Prozess vom Leben zum Tod hin zum neuen Leben. Das schöne Blumenarrangement, die leuchtenden Farben und der poetische Titel des Werkes kaschieren die verborgene Brutalität des Werkes und machen das Leid im Kontrast der Schönheit umso stärker.

 

Die verborgene Brutalität spiegelt sich auch in dem Werk „Mutterliebe“ wider. Es gibt einen scheinbar alltäglichen, um nicht zu sagen idyllischen Eindruck einer Handlung wider. Es zeigt eine Frau, die sich sommerlich gekleidet über eine Ansammlung von vor ihr aufgebauten Töpfen beugt und Blüten abzupft. In den Töpfen befindet sich eine Vielfalt an Topfblumen, die wahrscheinlich durch die Pflege der Frau zu einer derartigen Pracht gekommen sind. Schaut man etwas genauer hin, so entdeckt man zwischen den Blumen auch kleine Kinderköpfe. Das scheinbar Alltägliche wird in Frage gestellt. Die Kinderköpfe werden nicht im Stile von niedlichen Puppengesichtern inszeniert, sondern sind farblich stark verfremdet und wirken verkümmert. Der kontrastierende Titel „Mutterliebe“ und die melancholische Miene der Frau werfen Assoziationen einer brutalen Mordmethode auf, bei der Mütter ihre frisch geborenen Säuglinge in Blumentöpfen ersticken.

 

Neben dem Hauptthema der Zerstörung des Paradieses gibt es auch weitere Werke der Künstlerin, die von dem Erspüren der Natur ausgehen. Das Gedicht „Grass“ von Julian Tuwim ist ein Assoziationsansatz für das Werk „Müßiggänger“. Dieser schreitet mit großen Schritten durch kniehohes Gras. Sein nackter Körper ist unnatürlich weit nach vorn gebeugt, seine Augen sind geschlossen. Mit dem Arm streift er durch die hohen Halme, und das Gefühl dessen spiegelt sich in dem gesamten Körper, besonders in dem nach unten gerichteten Kopf und auch in dem bewegten Gras wider. Es scheint, als sei der „Müßiggänger“ einzig und allein eine Metapher für das Naturgefühl zu sein.

 

 

DIRECT ART GALLERY

 

Die DIRECT ART GALLERY ist eine gemeinnützige Galerie zur Förderung von Künstlerinnen und Künstlern mit psychischem oder geistigem Handicap. Sie wird von der Aktion-Kunst-Stiftung betrieben und ist im Galerien- und Museenzentrum Düsseldorfs verortet. Neben Werken aus dem klassischen Outsider-Bereich präsentiert die DIRECT ART GALLERY junge, zeitgenössische Positionen.