№ 1

05.09. – 18.10.2014

EINEN TISCH UND EINEN SESSEL

Oswald Tschirtner, Stefanie Bubert und Efklia Grigoriadou

 

Die DIRECT ART GALLERY eröffnet mit der Ausstellung No 1 in Düsseldorf. Wir laden herzlich zur Vernissage am 05. September in der Citadellstraße 15 ein. Präsentiert werden Werke von Oswald Tschirtner, Stefanie Bubert und Efklia Grigoriadou. Das besondere Augenmerk dieser Gruppenausstellung liegt auf Arbeiten, in denen der Bezug von Realität und Konstruktion im innerbildlichen Spiel zwischen Zeichnung und Bezeichnung sowie in der Kommunikation zwischen Werk und Betrachter Ausdruck findet.

 

Oswald Tschirtner gilt als ein Klassiker der Outsider Art und ist für seine reduzierten Zeichnungen bekannt. Mensch, Natur und Banalitäten des Alltags durchdringen gleichermaßen die Themen seiner Arbeiten. Die hintereinander gereihten Kopffüßler, die Tschirtner beinahe piktogrammartig in unterschiedliche Szenen und Konstellationen setzt, werden nur durch ihre Bezeichnung definiert. Mal sind sie Menschen, mal nur Beiwerk einer Sesselreihe, mal primitive Kunst. Während René Magritte der beinahe hyperrealistischen Darstellung einer Pfeife den Kommentar „Ceci n’est pas une pipe“ hinzufügt, stürzt Tschirtner den Betrachter in weitaus
größere Zweifel. Der Künstler verneint nicht das Offensichtliche, sondern schleudert dem Betrachter eine fast schamlose Behauptung entgegen, eine Bezeichnung die exakt dem Gegenteil eines dargestellten Rechtecks entspricht: „Labyrinth“. Tschirtner verwirrt, irritiert, hebelt Offensichtliches aus und konstruiert neue Realitäten, die teils paradox, teils ironisch oder mitunter ähnlich melancholisch wirken wie einsame Edward-Hopper-Gestalten.

 

Auch Stefanie Bubert arbeitet mit der Kombination aus reduzierten Formen und Schrift. Im Unterschied zu Tschirtners klarer Linie, weisen Stefanie Buberts Arbeiten eine gestisch-abstrakte Formensprache auf. Die Form als solche wird aufgelöst. Bezeichnungen wie „Kaffeetasse“ und „Lippenstift“ geben dem Betrachter eine Idee von der abstrakten Darstellung. Nachdem Tschirtners Zeichnungen, die auf Grund ihrer Gegenständlichkeit keine ikonografischen Zweifel hätten zulassen dürfen, in Kombination mit der Schrift für Irritation sorgen, wird der Betrachter nicht vorbehaltlos an Buberts Arbeiten herantreten. Ist die Schrift als nackte Bezeichnung zu verstehen oder nicht eher ein Teil der Komposition?

 

Während die vorangegangenen Positionen Figuratives und Abstraktes mit Schrift verknüpfen, stellt die abstrakte Form bei Efklia Grigoriadou das alleinige Medium dar. Der Betrachter wird angeregt semantische Elemente im Geist hinzuzufügen, in abstrakter Malerei konkrete Situationen und Gegenstände zu erkennen. Neue Realitäten werden konstruiert – aus zwei übereinander gestapelten Rechtecken wird eine Tür mit Oberlicht, aus organisch-abstrakten Formen, figürlich-animalische Wesen. Wirklichkeiten werden nicht mehr nur in Frage gestellt, sondern neu erfunden. Die hybride Grenze zwischen Realität und Imagination, zwischen dieser und einer anderen Welt, zeigt sich in dem Zusammenspiel der drei Positionen. Sie bieten eine Neuinterpretation längst feststehender Gesetze und eine neue Sicht auf die uns umgebende Welt. Damit ist die Eröffnungsausstellung exemplarisch für das Galerienprogramm der DIRECT ART GALLERY mit dem Schwerpunkt auf Outsider Art.

 

 

DIRECT ART GALLERY

 

Die DIRECT ART GALLERY ist eine gemeinnützige Galerie zur Förderung von Künstlerinnen und Künstlern mit psychischem oder geistigem Handicap. Sie wird von der Aktion-Kunst-Stiftung betrieben und ist im Galerien- und Museenzentrum Düsseldorfs verortet. Neben Werken aus dem klassischen Outsider-Bereich präsentiert die DIRECT ART GALLERY junge, zeitgenössische Positionen.